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23.02.2018
Niedersachsen beendet sein Modellprojekt zur Vorbeugung gegen Baumunfälle
Gewünschter Erfolg stellt sich nicht ein


Niedersachsen beendet sein Modellprojekt zur Vorbeugung gegen Baumunfälle –die pauschalen Tempolimit-Schilder führten zu Irritationen und würden deshalb ignoriert.

In Niedersachsen passieren deutschlandweit die meisten Baumunfälle.

Um diese Zahl zu reduzieren, hatte die damalige Landesregierung 2014 einen Modellversuch in den Landkreisen Osnabrück, Emsland, Cuxhaven, Friesland, Osterholz und Hildesheim gestartet, der neben einer Aufklärungsoffensive mit Dialogdisplays und Plakaten präventive Tempolimits von 70 oder 80 km/h auf Landstraßen vorschrieb.
Durch die jeweils zuständigen Polizeidienststellen wurden schwerpunktmäßig Geschwindigkeitsmessungen auf den Untersuchungsstrecken durchgeführt, beispielsweise 454 auf den 36 Untersuchungsstrecken im Landkreis Emsland. Dabei stellte die Polizei nahezu 13.000 Verkehrsordnungswidrigkeiten fest.
Im Landkreis Osnabrück kontrollierte die Polizei auf 136 Strecken 960 Mal und ahndete mehr als 19.000 Geschwindigkeitsverstöße.
Im Landkreis Hildesheim überwachten die Beamten 336 Mal 106 Landstraßen und erwischten 2.396 Temposünder.

Mitte 2016 zog der damalige Verkehrsminister Olaf Lies Zwischenbilanz:
Die Zahl der Unfälle mit Toten und Schwerverletzten war in den sechs Modelllandkreisen um durchschnittlich 8,4 % gesunken.
Landesweit hatte der Rückgang 2015 lediglich 5,3 % betragen. Auf den insgesamt 308 Untersuchungsstrecken mit Tempolimit ging die Zahl folgenschwerer Unfälle von 51 auf 34 um ein Drittel zurück.

Nun beendet das Land diesen Modellversuch:
Ab Juli 2018 darf dann auf den Alleen wieder 100 km/h gefahren werden statt maximal mit Tempo 70 oder 80.

„Eine erst vorläufige Einschätzung legt nahe, dass pauschale Geschwindigkeitsbeschränkungen auf schmalen Strecken
mit Baumbestand am Fahrbahnrand nicht zur gewünschten Unfallprävention führen“, begründet Dr. Eike Frenzel vom niedersächsischen Wirtschaftsministerium diese Entscheidung.
Eine endgültige Auswertung liege noch nicht vor.

Auch wenn der Modellversuch nun ausläuft, müssen die Tempolimitschilder nicht unbedingt abgebaut werden:
Es bleibt den Landkreisen überlassen, ob sie auf Risikostrecken eine verminderte Höchstgeschwindigkeit ausweisen.

Der Landkreis Osnabrück hatte von Anfang an Zweifel an dem Modellversuch.

„Sehr viele Schilder führen eher dazu, dass die Aufmerksamkeit der Autofahrer erlahmt und sich die warnende Wirkung verwässert“, sagt Pressesprecher Burkhard Riepenhoff.
Seit Jahren setzt der Landkreis auf Unfallwarnschilder, die direkt nach schweren Unfällen am Unfallort aufgestellt werden. Diese Schilder würden eine hohe Aufmerksamkeit erreichen und werden nach einer gewissen Zeit wieder abgebaut.
Auch der Kreis Friesland steht dem Projekt skeptisch gegenüber:
„Auffällige Strecken“ seien bereits vor dem Projekt verbessert worden.

Im Landkreis Emsland läuft der Modellversuch noch bis zum 13. Februar 2018.
„Ab diesem Zeitpunkt könnten sämtliche Geschwindigkeitsbeschränkungen abgebaut werden“, so Anja Rohde vom Landkreis Emsland.
Es werde aber geprüft, welche Strecken davon aufgrund einer konkreten Gefahrenlage ausgenommen werden können.

Aus den Landkreisen Osterholz und Cuxhaven ist unisono zu hören, dass der Modellversuch jeweils gut angenommen wurde:
„Diese Akzeptanz durch die Verkehrsteilnehmer ist wichtig.“ Deshalb seien nur wenige Strecken ausgewählt worden – anders als im Osnabrücker Raum.

Quelle: LVW