Aktuelles

14.05.2016
Fit und Mobil- das Fitnesstraining
Fahrsicherheit fr Senioren


Hans Hogeweg hält das Lenkrad fest in den Händen – die rechte Hand auf drei, die linke auf neun Uhr, so wie Fahrtrainer Thomas Stransky es ihm erklärt hat.
Im Fahrzeug ist ein Funkgerät festgeklemmt, über das Stransky Anweisungen geben kann. 
Noch zwei Autos sind vor Hans Hogeweg, dann ist er dran. "So kurz vorm Start-Signal wird einem schon ein bisschen mulmig", sagt der Senior.
"Und los!" 
Hans Hogeweg drückt aufs Gaspedal, auf 70 Stundenkilometer soll er beschleunigen, dann, bei den zwei orangefarbenen Hütchen, eine Vollbremsung hinlegen.
Die Bremsen greifen, Hans Hogeweg  wird in den Gurt gedrückt.
 "Auf der Bremse bleiben, auf der Bremse bleiben", schallt Stransky`s Stimme in den Innenraum.
Aus Wasserwerfern klatscht Wasser auf das Dach, das Auto schliddert und kommt mit einem letzten Ruck zum Stehen.
Hans Hogeweg hat alles richtig gemacht: Er hat hart gebremst und das Lenkrad festgehalten.
Dann klappt auch eine Vollbremsung auf glattem, nassem Untergrund, der auf dem Übungsplatz in Ahlhorn die Eigenschaften von festgefahrenem Schnee simuliert.

Für Verwunderung sorgt der extrem lange Bremsweg mit Sommerreifen.

Hans Hogeweg und acht weitere Senioren nehmen heute am „Fit & Mobil- Fitnesstraining für Senioren““ der Kreisverkehrswacht Vechta e.V. auf dem ehemaligen Flugplatzgelände in Ahlhorn teil.

Vor der Vollbremsung auf nasser Straße haben sie schon das plötzliche Stoppen auf trockenem Asphalt geübt, sind Slalom gefahren und haben von Stransky ihre Sitzeinstellungen überprüfen lassen.
 "Sie müssen hoch sitzen, zwischen Kopf und Decke darf nur eine Faust passen", erläutert der Trainer.
Auch das „richtige“ Anschnallen wird gezeigt.
Für viele Teilnehmer eine ungewohnte Position
 "Aber schauen Sie mal, wie viel Sie jetzt von der Straße sehen", sagt Stransky.

Auch das rückwärts Einparken und das Wenden in drei Zügen gehört zum Programm.

„Bei dem Training geht es nicht darum, die Senioren zu überprüfen und ihnen danach zu sagen, ob sie noch fit genug für die Straße sind. Sie sollen ihr Auto und seine Technik besser kennenlernen und Extremsituationen ausprobieren. Ihre Fahrtüchtigkeit können sie schon ganz gut alleine einschätzen", sagt Stransky.
"Senioren sind vernünftiger, als wir denken. Wenn sie gar nicht mehr Auto fahren können, dann lassen sie es auch." In der Großstadt ist das natürlich einfacher als auf dem Land, wo man ohne eigenen Pkw oft überhaupt nicht zum Einkaufen, zum Arzt oder zu Freunden kommt.
Die Teilnehmer sind mit unterschiedlichen Fragen gekommen:
 "Ich habe noch nie richtig bremsen müssen"
"Ich weiß überhaupt nicht, was dann passiert."
Die anderen nicken.
„Schert das Fahrzeug aus? Mache ich etwas kaputt, wenn ich voll auf die Bremse steige? „
"Meine Familie kritisiert mich zurecht beim Spurwechsel.Ich wechsle erst die Spur und dann gucke ich."
„Ich meide die Autobahn aus Angst vor den LKW`s“

Die Teilnehmer merken, dass sie nicht mehr so fit sind wie früher. Sie werden unsicherer. Und da beugen sie lieber vor und erhoffen sich gute Antworten von Fahrtrainer Stransky.

„Teilweise werden ungeliebte Situationen gemieden, was eigentlich völlig falsch ist
da nur durch aktive Teilnahme auch Sicherheit erlangt werden kann“ so Stransky
„Der Prozess des Älterwerdens ist mehr oder weniger zwangsläufig mit Funktionseinbußen verbunden, etwa bei der Informationsaufnahme und -verarbeitung. Diese Entwicklung verläuft jedoch individuell sehr unterschiedlich. Ältere Menschen sind häufig in der Lage, diese Entwicklung durch eine Reihe von Maßnahmen zu kompensieren: Sie fahren vorsichtiger, meiden Fahrten unter ungünstigen Bedingungen und verzichten bei widrigen Straßenverhältnissen auch schon einmal auf eine Fahrt. Voraussetzung ist jedoch eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, um geeignete Strategien und Verhaltensweisen entwickeln zu können.
Viele steigen auf Automatikgetriebe um, achten auf möglichst bequeme Sitze, kaufen Navigationsgeräte oder vertrauen auf Assistenzsysteme. 
Senioren sind selbstbewusst, zielstrebig und wollen auch im Alter am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Mobilität ist für sie daher selbstverständlich, auch wenn körperliche Defizite oder ein verzögertes Reaktionsvermögen die Teilnahme am Straßenverkehr beeinträchtigen. „

In Ahlhorn steigen die Teilnehmer  nach vier Stunden Training mit einem besseren Gefühl in ihr Auto.

Angewiesen sind Einige nicht auf ihren Wagen. Schon jetzt fahren sie so viel wie möglich mit dem Fahrrad, auch Bus und Bahn nutzten sie oft.
Trotzdem wollen sie ihren Führerschein so lange wie möglich behalten.
Das sei schließlich eine Frage der Lebensqualität.
Aber die Sicherheit geht vor.

Anmeldungen für die nächsten Trainings sind hier im Bereich "Sicherheitstraining" möglich.
Gerne vereinbaren wir auch zusätzliche Termine!