Aktuelles

20.11.2013
Schulbusunfall in Spreda
Stellungnahme der Kreisverkehrswacht Vechta e.V.


Interview Oldenburgische Volkszeitung vom 19.11.2013

1. Herr Stansky, sind die Schulbusse im Kreis Vechta zu voll?
Teilweise stehen die Schüler bis zur Frontscheibe. Auch wenn die Zahl der Kinder den gesetzlichen Rahmenbedingungen entspricht, sicher ist das nicht.
Zumindest die Kleinen sollten einen Sitzplatz beanspruchen können.
Mehr Sicherheit könnte nur durch größere Kapazitäten erreicht werden.

2. Wie viele Kinder sollten ihrer Meinung nach maximal in einem Schulbus mitfahren?
Es wäre natürlich besser, wenn alle Schüler angegurtet im Bus sitzen.
Ein reiner Sitzplatz bringt nicht den erforderlichen Sicherheitsgewinn.
Aber die Stehplätze entsprächen den gesetzlichen Vorgaben.

3. Wie hoch ist das Risiko, dass Schulbusse in einen Unfall verwickelt werden?
Betrachtet man zunächst die absolute Anzahl der im Straßenverkehr verunglückten Fahrzeugführer und Mitfahrer im Vergleich der unterschiedlichen Verkehrsbeteiligungen so wird schnell deutlich, dass Personen, die mit Bussen unterwegs sind, ein geringeres Unglücksrisiko tragen.
Das weißt auch die Statistik der letzten Jahre im Landkreis Vechta aus.
Ein solcher Unfall ist mir in der zurückliegende Zeit nicht bekannt.

4. Steigt das Risiko bei einem Unfall verletzt zu werden, mit der Zahl der Fahrgäste? Welche Rolle spielen dabei Sitz- und Stehplätze?
Sind Kinder im Rahmen von Verkehrsunfällen als Unfallopfer beteiligt, so sind sie aufgrund ihrer besonderen Physiognomie einem überproportional hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt.

Als Gründe für dieses hohe Verletzungsrisiko führen Unfallchirurgen deren geringe Körpergröße, ihr geringes Gewicht und die im Vergleich zu Erwachsenen ungünstige Kopf-Körper-Relation an, die verletzungsbegünstigend und verletzungsverschärfend wirken.
Ein Sitzplatz kann nur in Verbindung mit einem Sicherheitsgurt schützen!

Dass stehende Kinder sich bei einem Unfall rechtzeitig an den Griffen halten können, halte ich für unwahrscheinlich.

5. Können Busfahrer und Schüler überhaupt darauf vorbereitet werden, wie sie bei einem Unfall reagieren müssen?
Schulbustrainings werden mit einigen Schulen im Landkreis Vechta bereits über einen langen Zeitraum durchgeführt.
Die Trainings werden von den Busunternehmen unterstützt.

6. Wie lässt sich das Risiko für die Schüler minimieren?
Wünschenswert ist eine Überprüfung der einzelnen Schulbuslinien auf ihre individuellen Bedürfnisse hin. Dort, wo Missstände bestehen, müssen diese behoben werden.
Das kann durch zusätzliche Busse geschehen oder durch qualifiziertes Begleitpersonal.
Problematisch ist häufig auch das Verhalten der Schüler, die drängeln und toben und den Kleineren meist keine Chance lassen.
Den Schülern sollte in Trainings verdeutlicht werden, wie man sich richtig verhält.

Vollkommen unklar und verkehrspädagogisch nicht zu vermitteln ist die Tatsache, dass einerseits für den Transport von Personen in KFZ des Individual- und Güterverkehrs die Ausrüstung von KFZ mit Sicherheitsgurten ebenso unstrittig ist wie der Gebrauch derselben und andererseits in Linienbussen bzw. Schulbussen eine Nachrüstung der älteren Busse mit Sicherheitsgurten nicht ernsthaft erwogen wird. Desgleichen wird das Sicherheitsproblem, dass selbst in Schulbussen nicht einmal jedem Schüler ein Sitzplatz - und sei es auch einer ohne Sicherheitsgurt - zur Verfügung steht, verkehrspolitisch wenn nicht vollkommen ignoriert, so doch zumindest vernachlässigt. Eine Sitzplatzgarantie für sämtliche zu befördernden Schüler wird u. a. auch gefordert vom GDV .

Die Sicherheit im Verkehr mit Bussen lebt von einem ehrlichen und aufmerksamen Miteinander der beteiligten Organisationen, Institutionen und Menschen. Dabei sollte uns allen die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer, unserer Kinder und Senioren am meisten am Herzen liegen. Ihre Sicherheit zu gewährleisten ist auch eine vordringliche Aufgabe der drei Verkehrsbehörden, die als Arme unseres Staates helfend und - wo nötig - korrigierend eingreifen müssen, um der Sicherheit zum Durchbruch zu verhelfen. Wirtschaftliche Argumente dürfen in diesem Zusammenhang der Verkehrssicherheit keine entscheidende Rolle spielen, sondern allenfalls als Rahmendaten mit berücksichtigt werden.