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21.09.2011
Sicherheitsrisiko: ─ltere Autos junger Fahrer !
DEKRA zieht Bilanz nach 5 Jahren SafetyCheck


Die Autos junger Fahrer rollen nach wie vor oft mit teils gravierenden Sicherheitsmängeln über die Straßen. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht „Fünf Jahre SafetyCheck“, den DEKRA Automobil-Vorstand Clemens Klinke am 19. September 2011 im Rahmen eines Verkehrssicherheitstages in Traunstein an Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer überreichte. Bei der freiwilligen Verkehrssicherheitsaktion SafetyCheck der Sachverständigenorganisation DEKRA, der Deutschen Verkehrswacht (DVW) und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) blieb die Mängelquote in den vergangenen fünf Jahren mit mehr als drei Mängeln pro beanstandetem Pkw auf hohem Niveau. Vor allem vom schlechten Zustand der Bremsen, der Reifen und der Elektronik gehen Risiken für die Verkehrssicherheit aus.

Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer: "Gerade junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren sind häufig in Verkehrsunfälle verwickelt. Sie stehen deshalb im besonderen Blickfeld unserer Verkehrssicherheitsarbeit. Dazu gehören vor allem Maßnahmen für richtiges Verhalten im Straßenverkehr und sicheres Fahren. Das "Begleitete Fahren mit 17 senkt die Unfallzahlen um etwa 20 Prozent. Und durch das Alkoholverbot für Fahranfänger sind alkoholbedingte Unfälle in dieser Gruppe um 15 Prozent zurückgegangen. Mit unserem Verkehrssicherheitsprogramm werden wir weiter daran arbeiten, die Risiken für junge Fahrer zu verringern."

„Den jungen Autofahrern fehlt oftmals die Fahrpraxis, gleichzeitig haben sie häufig eine höhere Risikobereitschaft. Zudem fahren viele von ihnen überdurchschnittlich alte und oftmals schlecht gewartete Autos mit dementsprechend hoher Mängelquote“, sagte Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands der DEKRA SE und Vorsitzender der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH, bei der Übergabe des Berichts. Deshalb sei die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen nach wie vor die Altersgruppe mit dem höchsten Unfall- und Todesrisiko im Straßenverkehr, so Klinke.

Im Laufe der letzten fünf Jahre checkten die Experten insgesamt mehr als 73.000 Pkw junger Fahrer (2011: 16.000 Fahrzeuge). Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge erhöhte sich seit 2007 von 10,8 auf 11,2 Jahre. Derzeit sind die Pkw damit im Schnitt um 2,9 Jahre älter als die deutschen Pkw insgesamt (8,3 Jahre). Auch erhöhte sich die durchschnittliche Laufleistung der geprüften Fahrzeuge gegenüber dem Jahr 2007 von 115.000 km auf 130.000 km in 2011.

Jedes achte ESP oder ASR funktionierte nicht richtig
Eine weitere Erhöhung des Gefahrenpotenzials entsteht durch fehlende Sicherheitssysteme bei älteren Fahrzeugen, die von Fahranfängern gefahren werden. Diese Ausstattungsquote hat sich erfreulicherweise positiv entwickelt. So sind immer mehr ältere Autos mit ABS, Airbag und ESP/ASR ausgerüstet. Der Anteil der Autos ohne eines dieser drei Systeme ging von 2007 bis 2011 von 47 auf 24 Prozent zurück. Allerdings können sich die Fahrer älterer Autos nicht immer auf den Schutz dieser Systeme verlassen. Jedes achte ESP/ASR (12 Prozent) und jeweils drei Prozent der Airbags und Anti-Blockier-Systeme funktionierten im Jahr 2011 beim Sicherheitscheck nicht.

16.000 freiwillige SafetyChecks in diesem Jahr
Bei der jüngsten SafetyCheck-Aktion, die unter der Schirmherrschaft von Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer stand, hatten DEKRA Sachverständige in den Monaten Mai und Juni knapp 16.000 Fahrzeuge junger Autofahrer überprüft. Dabei fielen 81 Prozent der geprüften Pkw durch zum Teil erhebliche Sicherheitsmängel auf. An jedem der beanstandeten Autos fanden die Prüfer im Schnitt 3,4 Mängel. Mit Werten zwischen 3,2 und 3,4 Mängeln pro Fahrzeug bewegte sich die Mängelquote in den letzten fünf Jahren auf konstant hohem Niveau. Ein großes Risiko sieht DEKRA vor allem in der hohen Zahl der Bremsenmängel. Beim SafetyCheck 2011 wiesen 41 Prozent der Fahrzeuge Defekte an der Bremsanlage auf. 53 Prozent hatten Mängel an Fahrwerk, Reifen oder Karosserie und bei 48 Prozent waren Beleuchtung, Elektrik oder Elektronik nicht in Ordnung. Auf den Bereich Sicherheit und Umwelt entfielen 35 Prozent.

DEKRA führt die hohe Mängelquote an den Pkw junger Fahrer vor allem auf das relativ hohe Alter der Fahrzeuge und unzureichende Wartung zurück. Im Jahr 2011 hatten von den bis 3 Jahre alten Pkw beim SafetyCheck 37 Prozent Mängel, bei den 7- bis 9-Jährigen stiegen sie auf mehr als 78 Prozent. „Die gleich bleibend hohe Mängelquote über einen Zeitraum von fünf Jahren SafetyCheck macht auch deutlich, dass eine Verkürzung der amtlichen Prüffristen für ältere Fahrzeuge im Interesse der Verkehrssicherheit kein Tabu sein darf. Denn damit wird der technische Zustand dieser Fahrzeuge nachhaltig verbessert und der Bestand der älteren Autos auf ein angemessenes Sicherheitsniveau gebracht“, sagte Klinke.

Gulliver-Autos: Die Welt aus der Kinderperspektive
Beim Verkehrssicherheitstag in Traunstein bot sich den Besuchern zudem die Gelegenheit, Fahrzeuge aus der Kinderperspektive zu erleben. DEKRA zeigte zwei überlebensgroße „Gulliver-Autos“, neben denen Erwachsene wie Zwerge erscheinen. Wer sich als Erwachsener neben den XXL-Autos einmal ganz klein gefühlt hat, so die Intention, kann sich besser in Kinder hineinversetzen, die sich durch Schluchten von parkenden Autos bewegen müssen, und er ist sensibler für die Gefahren, die sich daraus für Kinder ergeben. Beispielsweise, dass die Kleinen von parkenden Autos verdeckt, plötzlich auf die Fahrbahn treten können. Für Autofahrer, so hoffen die Experten, ein Impuls, in der Nähe von Kindern noch zeitiger vom Gas zu gehen, und für Eltern, die Wege von Kindern noch besser zu planen.

Begleitendes Fahren mit 17 verbessert Fahrkompetenz
Als wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Fahrkompetenz von Fahranfängern bezeichnete der Chef der DEKRA Automobil die bundesweite Einführung des Begleitenden Fahrens mit 17, das zu Beginn des Jahres 2011 Dauerrecht geworden ist. Das geringere Unfall- und Deliktrisiko der Teilnehmer des Modellversuchs habe sich bei dem von den Technischen Prüfstellen von DEKRA seit 2005 erprobten Konzepts deutlich abgezeichnet. Eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen registrierte bei BF17-Fahrern ein um 22 Prozent geringeres Unfallrisiko.

Quelle:DEKRA