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14.05.2011
Schocktherapie mit Unfallfahrzeug !
Unfallfahrzeug in Wildeshausen im Einsatz!


Schockierend: Die Schüler können an dem Schrotthaufen erkennen, was mit einem Auto passiert, das mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum prallt. Der Unfall selbst hatte sich im April 2010 in Kirchweyhe ereignet !

Wildeshausen - Der Anblick ist schockierend: Die Karosserie der silbernen Limousine ist zerfetzt, der Motor herausgeflogen. Der Baum, gegen den das Auto geprallt ist, ist fast durch den ganzen Wagen gegangen. An einer Seite klemmt noch ein Schuh. Doch das Wrack liegt am Freitag nicht irgendwo an einem Straßenrand. Es ist auf einen Anhänger montiert und steht in einem Raum der Berufsbildenden Schulen Wildeshausen (Kreis Oldenburg). Schüler schleichen um das zerfetzte Auto herum, fasziniert und entsetzt. „Stellt euch mal die Kräfte vor, die da gewirkt haben,“ fordert Rolf Quickert die jungen Zuschauer auf. Er ist Verkehrssicherheitsberater beim Polizeikommissariat Wildeshausen. Er will über die Ursachen und Wirkungen von Unfällen aufklären.


Echtes Unfallauto
Den Unfall gab es wirklich, er ereignete sich am 18. April 2010 in Kirchweyhe. Sechs junge Menschen, zwischen 16 und 26 Jahre alt, hatten sich in den Wagen gedrängt, um von einer privaten Feier in eine Diskothek zu fahren. Der 26-jährige Fahrer hatte 1,44 Promille Alkohol im Blut. In einer Straße, in der nur 30 Stundenkilometer erlaubt sind, verlor er bei einer Geschwindigkeit von 107 Stundenkilometern die Kontrolle über das Fahrzeug und knallte gegen einen Baum. Keiner der Fahrzeuginsassen war angeschnallt. Drei Beifahrer starben noch an der Unfallstelle, der Fahrer am folgenden Tag. Zwei Mädchen wurden schwer verletzt.

Das Unfallauto wurde der Verkehrswacht Vechta überlassen, die es präparierte und auf dem Anhänger installierte. Jetzt wird es für die Prävention eingesetzt. Quickert erklärt den 30 Schülern, die meist zwischen 17 und 18 Jahre alt sind, dass sich an dem Kirchweyher Fall viele Unfallursachen darstellen lassen. So seien neben dem Alkohol, der überhöhten Geschwindigkeit und der Tatsache, dass niemand angeschnallt war, auch eine falsche Einschätzung der Verkehrssituation, Imponiergehabe sowie Ablenkung zu nennen. Und jetzt sind die Berufsschüler
mit dem Ergebnis dieser Kombination konfrontiert.
Das Wrack soll die Betrachter emotional berühren und schockieren. Quickert versucht diesen Effekt noch zu verstärken. „Vor kurzem waren noch Blut und Haare zu finden“, erzählt er wie nebenbei.

Der um den Baum gewickelte Schrotthaufen ist der traurig-dramatische Höhepunkt der Veranstaltung „Schwere Verkehrsunfälle durch typische Fehler junger Fahrer“. Bevor die Jugendlichen den Anblick zu sehen bekommen, zeigt Quickert ihnen eine Präsentation über Unfallursachen. Und führt dann einen Film vor, in dem der Unfall rekonstruiert wird.

Das Unfallrisiko ist bei jungen Fahrern am größten. Das Risiko, tödlich zu verunglücken, ist bei 18- bis 24-Jährigen dreimal höher als in der Gesamtbevölkerung. Statisch gesehen stirbt alle elf Stunden ein Jugendlicher auf deutschen Straßen.

Schocktherapie wirkt
Auf die meisten Schüler scheint das Wrack wie gewünscht zu wirken. „Gruselig“, findet die 17-jährige Phuong-Anh Nguyen. Es sei was anderes, wenn man so etwas direkt, nicht nur auf Bildern, sehe. Mitschülerin Ann-Sophie Völsgen, 17, sagt, es mache sie nachdenklich, ein Auto zu sehen, in dem Menschen gestorben sind. Die beiden machen gerade den Führerschein.

Quelle:NWZ