Aktuelles

08.07.2010
DVW und DVR gegen Altersabsenkung in der Führerscheinklasse AM !
Unfallrisiko zu hoch!


Bonn/Berlin, 7. Mai 2010 – Gegen eine Altersabsenkung in der Führerscheinklasse AM von jetzt 16 auf 15 oder gar 14 Jahre sprechen sich der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) und die Deutsche Verkehrswacht (DVW) aus. Die dritte EU-Führerscheinrichtlinie, die am 19. Januar 2007 in Kraft getreten ist und bis zum 19. Januar 2013 in nationales Recht umgesetzt werden muss, sieht diese Möglichkeit vor. Demnach könnten bereits 14- oder 15-jährige Jugendliche zweirädrige Kleinkrafträder, Quads oder Leicht-Pkw mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von maximal 45 km/h steuern. Nunmehr haben die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP einen Antrag eingebracht, den Erwerb von Zweiradführerscheinen zu erleichtern und bereits ab einem Alter von 15 Jahren zu ermöglichen.
 
Aus Gründen der Verkehrssicherheit sprechen sich DVR und DVW klar gegen eine solche Regelung aus. Die Herabsetzung des Alters in der Führerscheinklasse AM würde bei den betroffenen Jugendlichen diese Fahrzeuge attraktiver machen. "Wir gehen davon aus, dass als Folge dieser Attraktivitätssteigerung die Verkehrsbeteiligung mit derartigen Fahrzeugen zunimmt und die Unfallzahlen steigen werden", befürchtet DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf. Jugendliche im Alter von zehn bis 15 Jahren haben laut Unfallstatistik bereits ein besonders hohes Risiko als Fahrradfahrer. „Die Erfahrungen aus Österreich, wo die Altersgrenze für Mopeds mit 45 km/h bereits 1997 auf 15 Jahre gesenkt wurde, sind ernüchternd. Dort haben sich im Zeitraum 2000 bis 2009 die Mopedunfälle der 15-Jährigen vervierzehnfacht. Solche Risiken sind nicht hinzunehmen“, unterstreicht DVW-Präsident Kurt Bodewig, Bundesminister a.D.
 
Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch-Gladbach stellte fest, dass viele 15-Jährige aufgrund ihres Entwicklungsstandes bei der Nutzung schnellerer Motorfahrzeuge äußerst risikofreudig sind. Nach entwicklungspsychologischen Erkenntnissen sind Gefahrenwahrnehmung, Präventionsverständnis und Konzentrationsfähigkeit erst im Alter von 14 Jahren voll ausgebildet. Allerdings verfügen die Jugendlichen in diesem Alter noch nicht über einen großen Erfahrungsschatz mit diesen neuen Fähigkeiten, und die Pubertät stellt eine weitere Hürde dar. Bei den 16-Jährigen relativiert sich, parallel zum Abklingen der Pubertät, dieses enorm risikoorientierte und gefährliche Verhalten. Die entwicklungspsychologischen Gegebenheiten begründen nach Ansicht der BASt eine intensive schulische Verkehrserziehung.
 
Aus Sicht der Verkehrssicherheit seien keine Argumente für eine Herabsetzung des Mindestalters erkennbar. "Insbesondere ist kein plausibel erscheinender Grund dafür zu sehen, dass eine Altersabsenkung zu späteren Sicherheitsgewinnen in den sich anschließenden Fahrerlaubnis- und Fahrzeugklassen A1, A und B führt", so beide Verbandspräsidenten unisono.

Quelle: LVW/DVR